Fachkräftemangel! Dieses Thema ist seit Jahren aktuell, und laut verschiedenen HR-Experten hat sich die Situation in letzter Zeit nicht entspannt. Obwohl ich kein Experte bin, betrifft es mich ebenfalls. Steht eine Reparatur an, die ich nicht selbst durchführen kann, benötige ich einen Fachmann oder eine Fachfrau. Bei der Terminvereinbarung ist es üblich, dass dieser zwischen Montag und Freitag von 07:00 bis 17:00 Uhr gesucht wird.
In der Gesellschaft findet ein Wertewandel statt, ausgelöst durch multiple Krisen und Unsicherheiten, die sogenannte VUCA-Welt. Wie können Arbeitnehmer und Arbeitgeber hier Lösungen finden und einen Beitrag leisten? Ich weiss es nicht, doch Lösungsansätze gibt es. Flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice sind bekannt. Wie sieht es aber bei Berufen aus, die Arbeiten vor Ort ausführen müssen? Der Fachmann/die Fachfrau würde gerne von 09:00 bis 20:00 Uhr arbeiten. Die Kunden müssten keine Arbeitsstunden opfern, wenn die Reparatur zwischen 17:30 und 20:00 Uhr ausgeführt werden könnte. Die Servicefachkraft ist eher eine Nachtigall als eine Lerche. Könnten diese Lösungsansätze einen Beitrag zur Reduktion des Fachkräftemangels leisten?
Ändert sich das Bedürfnis im Verlaufe des Berufslebens? Eine berufstätige Person steht kurz vor der Pensionierung und erhält mehr Lohn. Die Kinder sind selbstständig, finanziell ist die Person gut gestellt. Die Lohnerhöhung ist nicht notwendig, doch mehr Freizeit wäre eine Alternative.
Die flexible Arbeitszeit hat ihre Grenzen. Der informelle Austausch in der Pause oder im Korridor reduziert sich und wird durch virtuelle Kanäle ersetzt, Wenn die flexible Arbeit dazu führt, dass Teammitglieder sich nur noch selten oder nicht persönlich treffen können, leiden die Gruppenkultur und -dynamik. Ein Kommen und Gehen wie auf dem Markt, flüchtige Begegnungen, ein schnelles Hallo und «wie geht es dir?». Wie viel Mehrwert generiert mobiles Arbeiten, oder wird es zur Zeitverschwendung?
Flexibles und mobiles Arbeiten basiert auf Vertrauen. Vertrauen ist elementar und ein fragiles Gut. Es ist oft schneller verloren als erarbeitet. Vertrauen ist ein grundlegendes Element menschlicher Beziehungen und bildet die Basis für ein funktionierendes Zusammenleben in der Gesellschaft. Es beschreibt die Überzeugung oder Erwartung, dass man sich auf jemanden oder etwas verlassen kann. Vertrauen kann sich sowohl auf Menschen, Institutionen als auch auf Prozesse oder Technologien beziehen.
Vertrauen allein ist ein Seiltanz. Handlungsrichtlinien sind hilfreich und legen Leitplanken fest, wie mit flexibler Arbeit und Vertrauen umgegangen werden sollte. Das bekannte Sprichwort «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser» hat seine Berechtigung. Kontrollen sind wichtig, und bei Fehlverhalten besteht Handlungsbedarf.
Ihr Bernhard Russi, Coach, Supervisor